South Pointe Park
Von einem Balkon der vielen Hotels am South Pointe Park aus sucht eine Kamera die Fassade eines anderen Hotels ab. Die Architektur ist typisch für Miami. Viel Beton. Viel Glas. Der Zoom in die Fassade ist ruckartig, der Schwenk von den unteren Stockwerken nach oben so hektisch, dass der Wechsel aus weißem Beton und türkis spiegelndem Glas an die Streifen alter Röhrenmonitore beim Bildaufbau erinnert. Balustraden in der Farbe des Betons.
Die Kamera findet ein Pärchen auf einem der Balkone. Sie stehen vor der meterhohen Fensterfront ihres Zimmers. Der Mann trägt blondierte Haare, eine markante Sonnenbrille, ein blaues Shirt, eine schwarze adidas Trainingshose mit den drei Längsstreifen in Weiß. Ebenfalls in weiß: seine Sneaker. Die Frau hat die Haare zu einem Zopf verknotet, trägt keine Sonnenbrille, blinzelt also gegen die Sonne an, und ist nur im Bikini, grün mit gelbem Marmormuster, dazu ebenfalls weiße Sneaker. Sie filmt den Mann, wie er auf dem Balkon auf und abgeht, verfolgt seine Bewegungen mit einem Handy. Er sendet Botschaften in das Objektiv. Deutet auf eine Szenerie hinter sich. Holt mit beiden Händen eine Kette unter seinem Shirt hervor; präsentiert sie der Kamera, indem er beide Daumen einhakt und die Kette auf und ab wippen lässt. Zeigt seine Zähne. Lässt die Kette los und schiebt sich die Sonnenbrille in die Haare. Hebt und senkt beide Arme, die Hände zu Pistolen geformt, zu einem nicht hörbaren Beat neben dem Kopf. Die Frau geht dabei immer wieder vor und zurück, geht in die Knie, die Kamera untersichtig, dann wieder auf Augenhöhe, ist dynamisch und im selben Rhythmus wie der Mann. Als wäre zwischen seinem Kopf und dem Objektiv eine Stange, bewegt der im blauen Shirt sich mit der Kamera. Ob er den Bewegungen der Kamera folgt oder umgekehrt ist schwer zu sagen. Die Frau lacht immer wieder ermutigend, nickt animierend zum Gegenüber. Der geht nun an der Balustrade entlang, blickt Richtung Horizont, weg von der Linse. Dazu mit dem Kopf zum Beat wippend, mit beiden Fäusten lässig auf die Balustrade trommelnd. Die Frau folgt ihm, öffnet den Winkel. Beugt sich über die Balustrade. Er dreht sich vom Horizont weg und zur Kamera, bevor er mit Fingerpistolen und ausgestreckten Armen in die Kamera schießt. Bang Bang Bang. Sein Körper verliert an Spannung. Die Frau löst sich aus dem Rhythmus, der Dynamik, der Motivation. Sie checkt das Smartphone, beendet die Aufnahme und reicht es dem Mann. Der steht nun mit gesenktem Kopf, Blick Richtung Display, vor einer türkisenen Fensterfront, die ihn in der Höhe um das Doppelte überragt. Er beobachtet konzentriert was auf dem Display vor sich geht. Steht nun reglos auf dem Balkon. Hinter ihm spiegelt sich sein dunkelblauer Schatten in der schemenhaften Skyline Miamis. Die Frau steht ebenso reglos neben ihm. Schaut dabei zu, wie er ihre Arbeit, seine Arbeit und sich beurteilt. Beide stehen gespannt. Sein Shirt bewegt sich im Wind. Er dreht sich. Lehnt sich mit dem linken Oberarm an die Fensterfront. Guckt dabei immer noch auf das Display. Die Frau fängt an sich zum unhörbaren Beat zu bewegen. Tänzelt hin und her, blickt den Balkon hinab Richtung Meer. Sie lässt es kurz darauf wieder sein, stützt ihre Arme in die Hüften, zupft sich dann am Oberteil herum, Blick Richtung Mann. Er wischt auf dem Handy herum, hält es näher an seine Sonnenbrille. Versucht etwas zu erkennen.
Die Kamera zoomt heraus. Zoomt aus dem fünfzigsten Stock eines Hotelwolkenkratzers heraus, bis die Zoomstufe auf dem Display 1X anzeigt und sich eine Balustrade ins Bild geschoben hat, die in ihrer Architektur denen des gegenüberliegenden Hotels ähnelt.